Malawi Buntbarsche. Haltung und Zucht
Aquarium
Wie groß soll das Aquarium sein? Je größer desto besser. Die Malawi Barsche sind praktisch ohne Ausnahme territoriale und relativ aggressive Tiere. Damit mehrere Männchen in einem Aquarium ihre Reviere bilden und verteidigen können, muss das Becken entsprechend groß sein. Für die Haltung von kleinen Mbuna Arten ist ein 240 Liter Aquarium (120 cm x 40 cm x 50 cm) die Mindestgröße, besser noch 300 Liter (120 cm x 50 cm x 50 cm). Für die größeren Mbunas oder für die Utaka – Gruppe sowie für die Keiserbuntbarsche muss ein mindestens 375 Liter (150 x 50 x 50) Becken her. Mit einer Größe von 720 Liter (200 x 60 x 60) kann man sich auch ein paar Räuberarten leisten.
Bodengrund
Welcher Bodengrund passt am Besten? Fast alle Malawibarsche graben gerne im Bodengrund. Daher muss man bei der Einrichtung von einem Malawi Aquarium diese Eigenschaft berücksichtigen. Am besten eignet sich der Sand mit der Körnung 0,5 – 2 mm. Bei dieser Größe können die Fische ungehindert in dem Sand graben und die Sandteilchen durch die Kiemen durchlassen. Andererseits ist der Sand leicht sauber zu machen, da den ganzen Dreck auf der Sandoberfläche bleibt. Wie viel? Eine Tiefe von 2 – 3 cm Sand reicht schon allemal.
Einrichtung – Steine, Höhlen, Rückwand...
Ein paar Steine in dem Barschbecken sind nie verkehrt. Allerdings sind manche Arten (vor allem Mbuna) an große Anzahl von Höhlen und Verstecken mehr angewiesen, als in der Natur freischwimmende Utaka Arten. Für die letzten spielen Steine und Verstecke praktisch keine Rolle.
Für die Einrichtung verwendet man oft Lochgestein, der allerdings in dem Malawisee nicht vorkommt. Für die echten Puristen wäre das somit keine Wahl. Aber durch seine Struktur bietet Lochgestein hervorragende Versteckmöglichkeiten für die Tiere und ist daher in Malawisee Aquaristik sehr beliebt. Wenn Sie Lochgestein verwenden, müssen Sie nur aufpassen, dass die Löcher groß genug sind, damit die Tiere ungehindert durchschwimmen können. Sonst kann sich so mancher Fisch in einem Versteck verfangen.
In der letzten Zeit gibt es auf dem Markt auch Höhlen aus dem Plastik, die entsprechend gut aussehen und für die Tiere ungefährlich sind. Sie bieten sehr gute Versteckmöglichkeiten und sind gleichzeitig sehr leicht.
Die Wurzeln sind vor allem für die Aquarien mit weichem Wasser geeignet. Da das Wasser in dem Malawi See hart und unbelastet ist, haben die Wurzeln in einem Malawisee Aquarium nichts zu suchen.
Als Rückwand verwendet man entweder Fotofolien (sind in jedem Zoogeschäft erhältlich) oder man greift auf "echte" 3D Rückwände zurück. Die letzten werden in das Aquarium mit Silikon eingeklebt. Der Klassiker ist wohl "Back to Nature". Diese Rückwände sind zwar schön und sehen sehr echt aus, sind aber auch sehr teuer. In der letzten Zeit gibt es auf dem Markt auch die Rückwände "Back to Nature Slim Line", welche schon für den erschwinglichen Preis zu haben sind. Man kann auch eine Rückwand selber aus Styropor basteln. Es gibt im Netz mehrere Anleitungen dazu.
Beleuchtung
Es gibt keinen Grund ein Barschbecken 12 Stunden am Tag gleich stark zu beleuchten. In der Natur sind auch nicht alle Tage sonnig. In der Tiefe von ein paar Metern, wo sich die meisten Buntbarsche aufhalten, ist es auch nicht so hell wie in einem Aquarium mit zwei T8 Röhren. Abgesehen von Stromkosten bedeutet zu viel Licht auch viel Stress für die Tiere. Wenn das Becken stark beleuchtet ist, werden auch viele Männchen sehr aktiv. So werden die Weibchen den ganzen Tag ununterbrochen getrieben und haben keine Ruhe. Außerdem führt die übermäßige Beleuchtung zum Bilden von Algen, besonders wenn das Wasser stark belastet ist.
Filterung
Die Buntbarsche sind sehr robust und können recht unterschiedles Wasser gut vertragen. Das Wasser in dem Malawisee ist klar, unbelastet und hart. Je mehr das Wasser in Ihrem Becken diesem Standard ähnelt, desto besser ist es für die Tiere.
Es gibt unterschiedliche Filtersysteme – Außenfilter und Innenfilter. Es ist egal welches System Sie einsetzen. Entscheidend ist lediglich, dass der Filterleistung Ihrem Aquarium entspricht.
Aus unserer Erfahrung sind so genannte HMF (Hamburger Matten Filter) die effektivsten Filter, die es gibt. Ein gut eingefahrener HMF kann unglaubliches leisten und hat sehr lange Standzeiten. Für eine Zucht- oder Aufzucht Becken, wenn die Ästhetik nicht im Vordergrund steht, sind HMF die beste Wahl. Für die Show-Aquarien kann man entweder einen guten Außenfilter oder Innenfilter einsetzen. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Juwel Filter gemacht. Zwei Juwel Jumbo (je mit 1000 Liter / Stunde Pumpe) reichen schon komplett aus um ein 500 Liter Becken sauber zu halten.
Wie erkenne ich, dass der Filterung ausreichend ist? Nun, die letztendliche Sicherheit kann nur ein Wassertest geben. Allerdings kann man schon auf dem ersten Blick auf das Becken sehen, ob die Wasserqualität gut ist. Das Wasser muss absolut klar sein, keine schwebende Partikel, kein Mulm auf dem Boden oder im Wasser. Die Wasseroberfläche muss ständig in Bewegung bleiben. Auf der Wasseroberfläche darf sich kein Film aus Bakterien bilden. Wenn das so ist, ist die Wasserqualität bei Ihnen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gut.
Wasserwechsel – aber richtig
So gut ein Filtersystem läuft, muss man trotzdem ab und zu ein Wasserwechsel durchführen. Wie oft und wie viel, darüber gibt es sehr viele Aussagen – von gar nicht bis zu 50 % jede Woche oder sogar noch mehr.
Durch Wasserwechsel wird der Gehalt von Nitrit, Nitrat und anderen schädlichen Stoffen reduziert. Gleichzeitig kommen mit dem frischen Wasser notwendige Spurenelementen in das Aquarium hinein. Daher ist natürlich ein regelmäßiger Wasserwechsel in dem Malawi Aquarium ein Muss. Allerdings muss man beim Wasserwechsel folgendes beachten.
Sehr oft verwendet man für den Wasserwechsel direkt das Leitungswasser. Wenn die Wasserwerte entsprechend gut sind, kann man das praktisch bedenkenlos machen. Leider ist es nicht immer der Fall. Manchmal findet man in dem Leitungswasser alles Mögliches von Pestiziden bis zu den Resten von Reagenz- oder Arzneimitteln. Ganz klar gehören solche Substanzen nicht ins Aquarienwasser.
Manche Stadtwerke verwenden auch ab und zu Chlor für Desinfektion des Wassers. Man muss beachten, dass das Chlor hochgradig schädlich für Aquarienbewohner ist. Zwar können die Buntbarsche auch Chlor in kleinen Mengen wegstecken, aber das Chlor schaltet schlagartig die anaeroben Bakterien in den Filter aus. So arbeitet der Filter dann nur rein mechanisch, die biologische Komponente fällt unbemerkt aus. Dadurch wird genau das Gegenteil davon erreicht, was man mit einem Wasserwechsel erreichen möchte. Die Wasserqualität wird schlechter, die Tiere werden krank.
Eine Abhilfe kann hier ein Wasseraufbereiter oder ein Vorfilter (wie Reiser Blockfilter oder Carbonit Monoblock Gardena) schaffen, der in der Lage ist, das Leitungswasser entsprechend zu filtern, bevor es in Aquarien kommt. Wenn die Wasserwerte aus der Leitung nicht glänzen, ist so ein Filter empfehlenswert. Zwar sind die Anschaffungskosten relativ hoch, aber wenn man seltene und teuere Tiere hält, lohnt es sich sehr schnell.
Nun wenn die Wasserqualität sichergestellt ist, gibt es noch ein paar Punkte zu erwähnen.
Das frische Wasser muss natürlich in seinen chemischen Werten wie pH, GH, KH usw. nicht großartig von dem Aquarienwasser unterscheiden. Ist der Unterschied zu groß, führt es zum Stress bei den Tieren.
Das frische Wasser muss die gleiche Temperatur wie das Aquarienwasser haben. Die Malawi Barsche können einmalig sogar den Sprung von 5 Grad gut vertragen. Werden Sie aber regelmäßig solchen Schwankungen ausgesetzt, wird das Immunsystem der Tiere erheblich geschwächt, was am Ende zu Krankheiten führt.
Wie oft und wie viel Wasserwechsel in jedem einzelnen Fall notwendig ist, ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Die Filterleistung und die Besatzdichte haben eine entscheidende Rolle. Mit 20 % wöchentlich oder 50 % jede zwei Wochen sind Sie im Prinzip immer auf der sicheren Seite. Wenn die Filterleistung entsprechend hoch ist, braucht man in der Regel noch weniger Wasserwechsel.
Pflanzen
Oft werden Barschbecken ohne Pflanzen eingerichtet. Der Grund dafür ist sehr einfach. Es ist kompliziert die Pflanzen in einem Barschbecken zu halten. Aber die Pflanzen sind gut für Wasserwerte und sehen gut aus. Bei der Auswahl von den Pflanzen für ein Malawi Aquarium ist folgendes zu beachten. Die Buntbarsche graben sehr gerne im Sand, dadurch werden die Pflanzen schnell ausgegraben. Besser ist die Pflanzen auf Steinen zuerst künstlich zu befestigen. Mit der Zeit siedeln sich die Pflanzen auf dem Steinen fest an und können nicht so leicht wie aus dem Sand entfernt werden. Es gibt einige "barschfeste" Pflanzensorten wie zum Beispiel Javafan. Sie wachsen gut an Steinen und haben sehr harte Blätter, welche von Barschen nicht angefressen werden können. Somit sind sie für ein Malawi Aquarium die erste Wahl.
Besatz
Man sollte nur die Arten vergesellschaften, die zu einander wirklich passen. Die Männchen von Malawi Barschen sind oft territorial und tolerieren keine Konkurrenz in ihrem Revier. Daher sollte man bei der Auswahl vom Besatz dafür sorgen, dass die Männchen möglichst unterschiedlich aussehen. Auf die Größe kommt es auch an. Am besten hält man ein paar größeren und ein paar kleineren Arten in einem Becken. So werden die Männchen der kleineren Arten von größeren Männchen nicht als direkte Bedrohung für ihr Revier angesehen und so bleiben die Rivalitäten aus.
Es gibt unterschiedliche Aussagen zu Besatzdichte. Die Frage, wie viele Fische kann man in einem Becken halten, ist allgemein nicht zu beantworten. Je nach Größe, Territorialverhalten und je nach dem welche Arten mit welchen zusammengesetzt werden, kann sich die Anzahl der Tiere stark variieren.
Ein paar Welse gehören ebenfalls in jedes Malawi Becken. Sie fressen Algen und Futterreste und halten das Becken sauber. Am besten sind für diese Zwecke einfache Ancistrus (Brauner Antennenwels) geeignet. Für ein 300 Liter Aquarium sind 3 – 4 Welse ausreichend.
Futter
Manche Malawi Barsche bevorzugen pflanzliches Futter, manche brauchen mehr Protein und Fett. Gleich ist nur eins - sie müssen ausreichend Futter bekommen, aber nicht zu viel. Die Überfütterung ist sehr übel, führt schnell zu verschiedenen Krankheiten und die Unfruchtbarkeit.
Die Buntbarsche sind im Allgemeinen nicht besonders wählerisch. Fressen tun sie fast alles. Allerdings, nicht jedes Futter, welches von Fischen gerne angenommen wird, ist auch für sie gesund.
Viele Barsche haben sich im Laufe der Evolution zu echten Futterspezialisten entwickelt.
So bevorzugen manche Mbuna (Felsen Maulbrüter aus dem Malawisee) pflanzliches Futter. Sollen sie viel proteinreiches Futter bekommen, verfetten sie sehr schnell. Das führt am Ende zu Verhaltensstörungen und Krankheiten.
Ganz anders sieht es bei Aulonocara (Kaiserbuntbarsche) oder Utaka (Placidochromis, Copadichromis etc.) Arten. Diese Barsche brauchen das Futter mit einem höheren Anteil von Protein und Fett als Mbuna, um sich wohl zu fühlen.
Die Fischfresser wie Dimidiochromis, Exochochromis, Mylochromis, Tyranochromis etc. werden oft relativ groß. Zwar nehmen sie auch gerne Flockenfutter an, aber um ein Tier in der Größe von 20 - 35 cm zu ernähren, müssen andere Mittel her. Hier kommen gute Sticks, Pazifikkrill oder Mysis zum Einsatz.