Mrz 092012
 

Fortsezung. Teil 1 finden Sie hier

Erste Tage nach dem Direktimport

Provisorisch habe ich für die Tiere ein 375 Liter Quarantänebecken mit Massen 150 x 50 x 50 eingerichtet. In dem Aquarium sollten sie die ersten Tage in der Ruhe verbringen. Sie sofort in 1000 Liter Becken mit agilen und frechen Malawi Räubern zu setzen, wollte ich erstmal nicht.

Die 375 Liter waren für die Gruppe laut meiner Recherche entscheidend zu wenig, aber zur Not, falls es zu Kämpfen kommen soll, hatte ich noch drei weitere leere Aquarien von 300 bis 450 Liter parat. Das Becken habe ich mit zwei XXL – Höhlen eingerichtet, die auch so großen Tieren Schutz bieten könnten.

In einem Erfahrungsbericht von planetcatfish.com habe ich gelesen, dass Synodontis granulosus sofort nach dem Import oft versuchen sollen, aus dem Becken herauszuspringen. (Dieses Verhalten kann ich übrigens voll und ganz bestätigen. Mehr noch, bei mir haben es die Tiere damit immer wieder, auch Monate später nach dem Import, versucht, aber immer nur wenn sie in ein neues Aquarium umgesetzt wurden). Nun um einen 25 – 30 cm großen kräftigen Wels aufzuhalten, habe ich dicke schwere Plexiglasscheiben als Abdeckung genutzt.

Abgesehen von mehreren gescheiterten Versuchen das Becken in Richtung Boden über den Rand zu verlassen, haben sich meine Neulinge absolut vorbildlich verhalten.  Sie haben jeden Winkel in dem Aquarium neugierig untersucht und waren immer nach Nahrungssuche. Es gab dabei keine Kämpfe, keine Randale – nix. Sie haben sich eher wie eine Synodotnis petricola Gruppe verhalten – ruhig, langsam, sogar ein bisschen verschlafen. Von dem Geschlechtsverhältnis konnte ich auf zwei Männchen und zwei Weibchen tippen.

Erste Tage habe ich meine Synodontis granulosus mit Flockenfutter gefüttert, mal mit Malawi Tropical mal mit Tropical Spirulina Forte 36%. Sie haben immer gierig gefressen und waren dann auf einmal richtig schnell und gefährlich. Das größte Weibchen in der Gruppe hat sich als das Alpha-Tier hervorgetan, und hat gelegentlich andere Tiere quer durch das Becken gejagt. Allerdings war das alles noch in üblichen Rahmen, nicht mehr als bei anderen Synodontis Arten.

Weitere Wochen

Nach einer Woche habe ich gemerkt, dass das Weibchen mehr Druck macht, als es eigentlich anderen Tieren und mir selbst lieber wäre. Und so habe ich die ganze Gruppe in ein 450 Liter Aquarium umgesetzt, in der Hoffnung, dass sie dort mehr Platz hätten und sich besser verstehen könnten.

Genau eine Woche hat das alles bestens funktioniert. Ab und zu hat das Alpha-Weibchen Randale gemacht, aber das lag alles irgendwie noch fast in Grenzen. Nach zwei Wochen war es aber auf einmal richtig Schluss mit lustig. Das Leitweibchen hat das ganze Aquarium endgültig für sein Revier erklärt und hat andere Fische ununterbrochen gejagt. So musste ich das Tier in ein 300 Liter Becken separat umsetzen.

Nach zwei Stunden musste ich das größte Männchen von der Gruppe trennen, da er sich praktisch genau so, wie das Leitweibchen verhalten hat.

Nach drei Stunden musste ich die letzen zwei Welse aus denselben Gründen voneinander trennen.

So war ich auf einmal der stolze Besitzer von 4 Synodontis granulosus, die ich in 4 Aquarien unterbringen musste, da es zusammen einfach nicht mehr ging. Gegenüber anderen Tieren waren meine Welse aber tatsächlich sehr friedlich, nur das größte Männchen hat gelegentlich andere Fische ab und zu gejagt.

Inzwischen habe ich erfahren, dass die Züchter in Großbritannien die Tiere auch immer einzeln halten und nur für das Ablaichen kurzzeitig zusammen setzen. Das wird nun auch meine Strategie für die nächsten Monate sein. Sollte es innerhalb dieses Jahres mit Nachzuchten nicht klappen, werde ich wahrscheinlich die Tiere einfach in mein 3 Meter Becken umsetzen und hoffen, dass sie dort genug Platz und Verstecksmöglichkeiten finden, um in der Gruppe zu leben.

Fortsetzung folgt.

 
Mrz 082012
 

Wie alles begann

Synodontis granulosus

Meine erste Begegnung mit Synodontis granulosus. Diese Aufnahme ist anfangs 2009 entstanden und wurde später in AquaLot übernomen. (c) AquaLot Malawi Edition 2.0

Vor ein paar Jahren war ich wieder mal bei AquaTreff in Meerbusch. Wie immer suchte ich neue Arten für meine Hobbyzucht. Ich ging von Aquarium zu Aquarium, betrachtete die hunderten von tollen Tieren und dachte “….schön, schön, kenne ich, kenne ich auch, hab schon gehalten, kenne ich, hab schon gezüchtet, kenne ich, kenne ich auch….“. Bis ich in einem Becken vier wunderschöne absolut ungewöhnliche Welse bemerkt habe. Schwarz waren sie, mit weißen Kanten am Schwanz und Flossen. Sie waren relativ groß – so 25 – 30 cm und bewegten sich langsam und majestätisch. Nach Körperform waren sie eindeutig der Gattung Synodontis zuzuordnen. Doch diese Art kannte ich definitiv nicht. Synodontis granulosus sollen sie heißen, wurde mir mitgeteilt. Die Art kommt aus der Tanganjikasee und sei sehr selten.

Die Tiere haben mich sofort fasziniert. Aber ich hatte, einerseits, sowieso keinen Platz für sie da, andererseits, war bereits das Wort „verkauft“ auf der Frontscheibe des Beckens zu lesen. So ging ich damals ohne diesen schönen Welsen nach Hause.

Einige Jahre später habe ich mein 3 Meter Aquarium mit mehr als 1000 Liter Volumen gebaut und bei der Besatzsuche erinnerte ich mich prompt an dieser Art. Der Platz war ja da. Nun begann ich im Netz nach Informationen rund um diese Welse zu suchen und musste mit Erstaunen feststellen, dass über diese Art nicht wirklich viel Wissen vorhanden ist.

Die Königin des Tanganjikasees

Nun, was kann man über diese Art mit Sicherheit sagen? Synodontis granulosus ist ein extrem seltener Fisch. Im See halten sich die Tiere in den tiefen Gewässern auf und sind von der Natur auf die Einzelgänger. Es gibt keine Methode sie in großen Mengen zu fangen. Ab und zu gehen sie in Netze zufällig als Beifang. Das ist alles. Es gibt ein komplexes Dekompressionsverfahren (wie bei Cyphotilapia frontosa), um sie unversehrt zur Oberfläche zu bekommen. Sie werden selten gefangen und noch seltener importiert. Dadurch kommt auch der Preis für die Tiere zustande. Synodontis granulosus ist wohl der teuerste Aquarium – Süßwasserfisch der Welt. Der Preis für die Tiere schwenkt in den USA und Großbritannien von 300 Dollars bis 300 Pfund pro Fisch. In Deutschland kosten die Tiere bis zu 200 Euro pro Stuck. Wenn es sie überhaupt gibt. Aber normalerweise gibt es sie nicht und sie stehen auf keiner Stockliste von keinem Fischhändler.

Bekannt ist auch, dass diese Welse nur einmal in Großbritannien in menschlicher Obhut gezüchtet wurden. Ansonsten sind wohl alle Tiere dieser Art im Handel die Wildfänge. Es gibt auch ein paar ungeprüfte Berichte, dass Synodontis granulosus auch in Russland durch hormonale Behandlung zum Ablaichen gebracht wurden. Ausschließen kann man alles nicht. Aber ich habe die Tiere in Russland nie gesehen und ich kenne dort auch keinen namhaften Züchter, der sich mit dieser Art befasst hätte. Auch lange Recherche im russischen Internet brachte diesbezüglich keine Ergebnisse.

Die Schwierigkeit diese Tiere zu züchten, liegt wohl vor allem an der innerartlichen Aggression dieser Art. Die erwachsenen Welse, besonders adulte Weibchen, können extrem aggressiv gegenüber Artgenossen gelaunt sein. Daher kann man eine Gruppe dieser Welse nur in ein entsprechend groß dimensioniertes Becken reinsetzen. Gegenüber anderen Arten verhalten sich die Fische dagegen friedlich und können einzeln auch in kleinen Aquarien gehalten werden.

Nun schien mir mein 3 Meter Becken groß genug für das Abenteuer zu sein. Und wenn nicht, dachte ich, habe ich genug Aquarien in dem Keller stehen um die Tiere separat unterzubringen. Sie einmal selber zu sehen, zu halten und zu füttern, und wer weiß, vielleicht auch zu züchten, ist zu meinem Traum geworden. Nun schrieb ich eine E-Mail an Thomas Engel, bei dem ich die Tiere vor Jahren bereits gesehen hatte. Ob er die Tiere für mich besorgen könnte? Kurz darauf kam die Antwort, die mein Herz höher schlagen ließ. Ja, ich kann die Tiere bekommen. Bei der Fangstation in Burundi sind momentan 4 Welse dieser Art vorhanden und die Tiere kommen mit dem nächsten Import nach Deutschland, wenn ich sie bestelle. Ich muss mich nur auf drei Wochen Lieferzeit einstellen.

In drei Wochen stand ich in dem Laden vor dem Aquarium mit den Welsen. Schwarz waren sie, groß und wunderschön. Auf der Frontscheibe des Beckens war das Wort „verkauft“ zu lesen. Wie damals. Nur jetzt waren es meine Tiere. Wir packten sie ein und das Abenteuer hat begonnen.

Fortsezung folgt.

 
Mrz 012012
 
Synodontis polli white

Synodontis polli white

Synodontis polli white ist noch eine Art aus dem Tanganjika See, welche seit kurzem in Malawi Aquarien gehalten wird. Genau so, wie bei Synodontis petricola, handelt es sich bei den Tieren um Freilaicher. Die Tiere werden 8 – 10 cm groß und bleiben nicht so scheu, wie Synodontis petricola. Oft ist diese Art in den Aquarien frei schwimmend zu sehen, obwohl sie Verstecke genau so wie alle anderen Welse mögen.

Unter den Namen Synodontis polli und Synodontis polli white werden im Handel mal dunklere und mal hellere Tiere angeboten. Manche Aquarianer gehen davon aus, dass es sich bei Synodontis polli white um eine hellere Standortvariante von Synodontis polli handelt. Manche sind dagegen überzeugt, dass Synodontis polli white eine noch nicht wissenschaftlich beschriebene Art ist, welche mit Synodontis polli nichts zu tun hat. Leider fehlen noch die Informationen um in dieser Frage sicher zu sein.

 
 Veröffentlicht von am 18:21  Kennzeichnung: